Dez 222015
 

Es ist 3 Uhr in der Nacht als ich wach werde. Noch bin ich mir nicht sicher ob ich aufstehen soll oder lieber noch einmal umdrehen und weiterschlafen. Nach kurzem hin und her entscheide ich mich für aufstehen.
El TeideAm Vortag habe ich mit dem El Teide abgemacht, ich werde ihn besteigen und er soll mich zur rechten Zeit für den Aufstieg wecken.
Nun war dies anscheinend die richtige Zeit. Ich koche mir ein warmes Müsli und ein Tee zum mitnehmen. Packe meine Sachen und starte mit dem Auto Richtung El Teide.

Nach 1h und 15min habe ich mit dem Auto 2300 Höhenmeter überwunden und stehe nun auf 2300m auf einem kleinen Parkplatz. Etwas bange sehe ich auf die Anzeige in meinem Auto, -3°. Gestern hatte es an der Küste noch 23° Celsius. Nun zu kneifen wäre nicht der richtige Moment. Also raus aus dem Auto und rein in die Wanderschuhe. Es ist unglaublich finster. Doch die 200m auf der Straße bis zum Einstieg in den El Iligal (Trampelpfad) gehe ich noch ohne Stirnlampe. Die Sterne funkeln unglaublich hell und erzeugen einen starken Kontrast zum dunklen Himmel. Es ist Neumond, also wenig Licht.

Bei der Abzweigung in den El Ilegal schalte ich dann meine Stirnlampe ein, ohne die ist es an diesem Tag unmöglich zu gehen. Über Lavagestein führt ein recht steiler Weg nach oben. Immer wieder sehe ich wie schwarzes Obsidiangestein im Licht meiner Lampe auffunkelt.
Nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl, das Licht der Lampe wird etwas schwächer. Die Gedanken jagen durch den Kopf …wann habe ich die Batterien das letzte mal gewechselt? Ich entscheide es zu lassen wie es ist und sage mir, so wie es kommt ist es gerade richtig. Nach einer weiteren halben Stunde sehe ich das Licht ist immer noch da und erkenne dass meine eigenen Geister mich auf die Probe gestellt haben.
Ich bin voller Aktivität und merke ich muss mich selbst bremsen damit ich den Gipfel der auf 3718m liegt erreichen kann. Immer wieder auf den Atem achten, er zeigt sofort wenn ich zu schnell bin.
Dann bemerke ich, dass ich den Weg verloren habe. Ja mein Licht ist wirklich nicht ein großer Strahler, doch das lag an der Natur der Lampe, und nicht an den Batterien. Noch einmal den Horizont des Berges gecheckt, die Richtung könnte möglicherweise etwas mehr links sein. Ich gehe weiter und halte mich in der neuen Richtung. Nach fünf Minuten komme ich wieder auf den Weg. Juhuuu!
Nun beobachte ich den Verlauf genauer, stelle fest es ist oft nicht klar ob es geradeaus oder links weiter geht. Zwei mal schauen gewöhne ich mir nun an, was dann auch die Geschwindigkeit automatisch etwas drosselt und das war gut.
Vor etwas 30 Jahren war ich auf dem Ortler (3905), vor 15 Jahren auf der Wildspitze (3768) und vor 2 jahren auf dem Mauna Kea (4205) wobei ich auf dem Mauna Kea nur die letzten 300 Höhenmeter gelaufen bin. Bei allen drei Bergen hatte ich leichte Schwierigkeiten mit dem Atem. So war mir klar, ich muss meine Reserven gut einteilen um den Gipfel des El Teide zu erreichen da ich keinerlei Akklimatisation an die Höhe hatte.

Auf 2700m traf ich auf den offiziellen Weg. Dies erleichterte mich, dann hier war der Weg ein Meter breit und auf beiden Seiten mit Steinen begrenzt.
Nun war es an der Zeit das erste Frühstück einzunehmen. Voller Freude genoss ich den warmen Hirsebrei mit den köstlichen Bananen aus Teneriffa. Ich hielt die Pause kurz, um nicht zu stark aus zu kühlen.
Beim weiteren Aufstieg kamen mir zwei junge Frauen entgegen. Bei einem kurzen Austausch, stellte sich heraus das sie umkehren mussten da die eine Höhenprobleme bekommen hatte. So wurde mir noch klarer das Scheitern eine Option war. Als ich diesen Gedanken zuließ, spürte ich eine neue Freiheit, welche mir auch Kraft gab.
Der weitere Aufstieg ging gut voran.

Auf 3260m erreichte ich die Berghütte Altavista. Zwei Gruppen ruhten sich auch in der Hütte aus. Hier war die Rast besonders angenehm, da ich kaum auskühlte. Trotzdem ging ich nach 15-20min weiter.
Schon kurz vor der Berghütte hatte die Dämmerung so weit eingesetzt, so dass ich die Stirnlampe nicht mehr benötigte.Sonnenaufgang Es dauerte nicht mehr lange und der Horizont fing sich schon zu verfärben an. Die Farben wechselten sich bei jedem mal wenn ich den Blick zurück an den Horizont schwenkte. Doch dauerte es noch einige Zeit bis die Sonne sich zeigte. Dann war es so weit, die Sonne blinzelte am Horizont auf und machte ihr Farbenspiel. Es war herrlich den Sonnenaufgang hier oben zu genießen.

Auf 3555m befindet sich die Bergstation der Seilbahn Teleférico del Teide, hier macht ich an einem feinen windgeschützten, von der Sonne angestrahlten Gebäudewand, noch mal eine Pause. Ich traf auf Menschen aus unterschiedlichen Nationen. Franzosen, Spanier, Deutsche, Holländer begegneten mir hier. Die Meisten kamen gerade vom Gipfel. Franzosen mit denen ich sprach suchten den Gipfel Pico Sur (3105m). Diesen wollten sie noch vor ihrem endgültigen Abstieg erklimmen. Es war ein Punkt wo mehrere Wege sich kreuzten und viele machten hier noch mal Pause oder orientierten sich bevor sie weiter gingen.

Ich zog auch weiter und war kurz vor 9 Uhr ein paar Meter unter dem Gipfel, wo ich mich dann an einen relativ windstillen Ort auf der Sonnenseite hinsetzte und meine Jause genoss.Aussicht vom El Teide Die Aussicht wahr herrlich und die Sonne spendete mir Wärme.
Nach einer ausgedehnten Pause ging ich noch auf den höchsten Punkt. Ich befand mich direkt am Rande des Kraters, wo aus ein paar Felsritzen Schwefel austrat. Hier chantete ich meinen Lieblings-Chant aus Hawaii. Es war ein besonderer Punkt auf dieser Erde. Hier spürte ich Freiheit, Lebenslust und Erhabenheit. Doch auch der schönste Moment geht vorbei und so machte ich mich wieder auf den Rückweg.
Bergstation von der Seilban Teleférico del TeideNach dem Abstieg bis zur Seilbahn genieße ich den Luxus mit der Bahn nach unten zu fahren.

 

 

 

 

 

Markus & JesusUnten traf ich Christus, mit dem ich mich dann als Ausdruck der Freude, die immer noch in mir war, Arm in Arm ablichten ließ 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aloha Markus

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